Mit dem Velo ins Dischmatal

Gäste zeigen Davos  – Text und Fotos von Susanne

Was gibt es Schöneres, als von Wildbachrauschen und Kuhglockengeläut getragen, ein wildromantisches Davoser Seitental hinaufzuradeln? Für mich ist eine Velotour durch das Dischmatal hinauf zum Dürrboden der Inbegriff der Entspannung. 12 km ist die Strecke lang und 400 Höhenmeter sind zu überwinden. Los geht`s an der Hochgebirgsklinik in Davos Wolfgang, wo ich meinen Reha-Aufenthalt verbringe. Ich habe mein eigenes Pedelec mitgebracht, um jederzeit losradeln zu können, sobald es der Therapieplan erlaubt.

 

 Gemütlich rolle ich bergab Richtung Davos Dorf, lasse den Blick über den See schweifen und versuche den tosenden Autoverkehr auszublenden. Nach Bahnhof Dorf biege ich links ab in die Mühlestrasse, fahre am Intersport Bünda vorbei, folge der Mattawaldstrasse bis zum Duchliweg, ein Kiesweg der am Ortsrand entlang zur Firma Künzli-Holz führt. Endlich Ruhe. Wieder wandert der Blick in die Landschaft, über die Häuser von Davos, den markanten Kirchturm, die Hänge von der Schatzalp zur Parsennbahn. Gibt man sich der Phantasie hin, gelingt es mit etwas Glück Davos in den Farben des Künstlers Ernst Ludwig Kirchner zu sehen.

Blick vom Duchliweg auf Davos

 

Bei Künzli-Holz angekommen lege ich 5 Minuten Pause ein, um an meiner Sauerstoffflasche den Regler auf die Markierung „2 Liter“ zu stellen. Aufgrund der Höhe brauche ich hier in Davos bei Belastung zusätzlichen Sauerstoff, um den Körper und die Muskulatur optimal zu versorgen. Ich lebe mit einer sehr seltenen Atemwegserkrankung. Primäre Ciliäre Dyskinesie (PCD) mit Situs Inversus Totalis (seitenvertauschte Anlage der inneren Organe, Herz rechts, Blinddarm links etc) , nach dem Schweizer Arzt und Forscher Dr. Manes Kartagener auch „Kartagener Syndrom“ benannt. Aufgrund eines Gendefektes haben die Zilien (Flimmerhärchen) im gesamten Körper einen Konstruktionsfehler und sind in Folge dessen in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt bzw. komplett unbeweglich. Dies hat Auswirkungen auf das Atemwegssystem. Es fehlt die Selbstreinigungsfunktion der Atemwege. Folge sind chronische Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Lungenentzündungen, Verlust der Lungenfunktion bis hin zur notwendigen Transplantation. Um dem vorzubeugen ist Sport ein wichtiger täglicher Bestandteil der Therapie. Davos ist ein herrlicher und weltberühmter Ort dafür.

www.kartagener-syndrom.de

In Chaiseren ging 1951 eine grosse Lawine nieder.

Mehr unter:

Lawinenkatastrophen in Davos

Die Strasse führt nun flach am Dischmabach entlang durch den Ortsteil „Chaiseren“, danach kommt der erste etwas steilere Teil durch „Hof“, doch direkt danach kann man schon wieder gemütlich durchatmen, es geht nun wieder flach weiter.

bei Hof

Rechterhand rauscht der Dischmabach ins Tal. Parallel zur Strasse, auf der anderen Uferseite des Rauschebaches führt der Wanderweg Richtung Dürrboden. Er ist frequentiert von Wanderern und Mountainbikern. Es gibt auf der gesamten Strecke zwischen Chaiseren und Dürrboden immer wieder Verbindungsstege über den Dischmabach hinüber auf den Wanderweg. Wer einen Teil der Strecke mit dem Bus fahren möchte und den Rest erwandert, kann in regelmässigen Abständen auf den gegenüberliegenden Wanderweg hinüber wechseln.

Das Pedelec der guten Laune vor herrlicher Kulisse

Nach ca 40 Minuten Fahrt (ab Hochgebirgsklinik) erreiche ich Teufi mit seinem Gasthof, der berühmt ist für sein Eis. Auch hier gibt es eine Bushaltestelle des Ortsbusses.

Selbst gemachtes Eis bei Restaurant Teufi

Wanderweg vor Teufi

Hier endet die breite Strasse, es geht geteert aber schmaler weiter über den sog. Jägerparkplatz den Hofweg entlang durch ein kurzes, mittelsteiles Waldstück.

Anstieg vor dem kurzen Waldstück kurz nach Teufi

 

Bald erreiche ich das Gehöft Gadmen, die Baumgrenze ist erreicht, das Tal verliert seinen im unteren Teil vorherrschenden lieblichen Charakter und wird wildromantisch.

Gadmen

Ziegen klettern geschickt an steilen Hängen, Schafherden und Pferde grasen.

Die weiten Ausläufer der beidseitigen Berghänge sind durchsetzt von grossen Steinen und Felsblöcken. Was muss das für ein Krachen gewesen sein, als diese herunterpolterten.

Kuhglockengeläut trägt mich die wechselweise sanft oder etwas steiler ansteigenden Kurven hinauf, um dann wieder in flacheres Gelände zu gelangen. Gelegentlich schlängelt sich ein Auto vorbei oder auch der Postbus, der bis zum Berggasthof Dürrboden fährt.

Busse schlängeln sich nach oben

Unbeschreiblich schön und anheimelnd duckt sich 20 Minuten später rechts die Häusergruppe „Am Rhin“ in den Hang. Die Gedanken gehen Jahrhunderte zurück und die Romantik ist sogleich in Frage gestellt.

Der Weg über den Dürrboden hinauf war ein vielgenutzter Säumerpfad zum Wein- und Warentransport ins und vom Veltlin ins Davoser Tal. Die Strasse heisst nun „Kleinalp“. Hier loht sich eine Pause auf der exponiert platzierten Aussichtsbank mit Blick über die geduckten Häuser aus dunklem Holz, hinunter Richtung Davos.

Aussichtsbänkchen

Links führt eine Stichstrasse zur „Wisenalp“. Ich lasse rechts „Alpwiesen“ und „Jenatschalp“ liegen und radle weiter sanft bergauf. Schon bald kommt das Talende in Sicht und verspricht eine Einkehr in den Berggasthof und einen Plausch mit Hans, dem Hirten vom Dürrboden.

Blick auf Gletschergebiet /Talschluss Dürrboden 2007 m

Nach insgesamt 1,5 h gemütlicher Radelei mit vielen Fotopausen erreiche ich das Ende der Strasse. Der Dürrboden liegt auf 2007 M.ü.NN.. Grandios der Blick zum Scalettagletscher. Für Wanderer gehts ab hier weiter zum Piz Grialetsch und zur gleichnamigen Hütte. Der Grialetschpass liegt auf 2546 M.ü.NN, der Scalettapass auf 2611 M.ü.NN.

Das Pedelec der guten Laune vor herrlicher Kulisse

Mein treuer Begleiter

Die Velotour zum Dürrboden empfliehlt sich natürlich bei jeder Tageszeit, besonders schön ist es in den Nachmittagsstunden um 15 Uhr, wenn die Sonne schräg ins Tal scheint. Nach einer erfrischenden Pause gehts rollend wieder abwärts ins Tal, die Lungen voll mit frischer Luft, der Kopf frei, der Körper nicht erschöpft. Es ist wirklich eine sehr gemütliche, anregende Velotour mit herrlichen Eindrücken und Fotomotiven.

Viel Spass beim „Nachradeln“ wünscht Euch Susanne

nur 

 

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Siehe auch:

Dischmatal Winter Winterwanderweg Nr. 1 Fotoserie

Dischmatal Herbstimpressionen Fotoserie

Wanderung Grialetschhütte Wanderung Nr. 7 Fotoserie undWanderung  Nr. 6

Wanderung Nr. 38 Sertig – Tällifurgga – Teufi (Dischma) auch umgekehrt.

Wanderung Nr. 34 Jakobshorn – Jatzhorn – Tällifurgga – Dischmatal/Teufi

 

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Eine Antwort auf Mit dem Velo ins Dischmatal

  1. Mirko sagt:

    Hallo Susanne,

    mein Name ist Mirko und ich kenne Davos und die HGK bereits seit 1989.

    Ich finde es toll das Du solchen Touren unternimmst. Ich sitze unterdessen wegen einer chr.respiratorischen Insuffizienz und einem Emphysem als Folge eines schweren Asthma. Dennoch kurve ich im Rolli mit Sauerstoff und teilweise zusätzlich mit Beatmung via BIPAP durch die Seitentäler von Davos. (Mal Dischmatal, mal Sertig, mal Zügenschlucht) lass Dich nicht unterkriegen und auch wenn es Dir bestimmt auch manchmal schwer fällt so findet man idR immer wieder einen Weg für ein weiter.

    Liebe Grüße
    Mirko

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