Lawinenkatastrophen in Davos

EinleitungLawinenwinter 19171919195119541968Lawinenschutz heute

Einleitung :

Am 21. und 22.01.2018 haben wir in Davos intensive Schneefälle gehabt. Wie gesagt es hat solche Situationen in der Vergangenheit oft gegeben. Wir müssen eben damit leben und mit den Gefahren umgehen können.

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Aktuelle Gefahrenkarte Davos für Lawinen:
Rot= Grosse Gefahr, Blau = mittlere Gefahr und Gelb geringe Gefahr

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Karte Schutzbauten Umgebung Davos

Karte Schutzbauten: hellblau=Lawinenschutzverbauung, Hellrot bei Seehorn = Steinschlagschutz Dunkelrot = Bachverbauung

Reste eines Lawinenabgangs im Dischmatal im Januar 2018 Ftotografiert mit Drohne am 08.04.2018

 

Ausmass eines Lawinenabgangs im Januar 2018

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Lawinenwinter 1917

Das bisher grösste Unglück ereignete sich am 29. April bei Zug 8, der, von Chur kommend, um 17 Uhr hätte in Davos eintreffen sollen. Er wurde von der Drusatscha-Lawine, die wenig unter dem Hörnli (2448 m) losgebrochen war und das Geleise in einer Breite von 200 m und einer Mächtigkeit bis zu 10 m erreichte, (seit der Bahneröffnung zum dritten Mal), erfasst und zum Teil zertrümmert. Neun Reisende und der Zugführer Schmid fanden dabei den Tod. Eine Anzahl Davoser Ärzte, deutsche Internierte, die Davoser Feuerwehr und militärische Hilfe aus dem Engadin trafen rasch auf der Unglücks stätte ein.

Sicherungsanlage Drusatscha:

Dieses tragische Ereignis hat Konsequenzen: Dis dahin verschüttet die berüchtigte Drusatscha-Lawine während den 28 Jahren dreimal die Bahngleise. Zweimal hat man Glück bzw. man kommt mit dem Schrecken davon. Es entstand nur Sachschaden an den Bahnanlagen. Der dritte Lawinenabgang endete jedoch im Desaster. Um in Zukunft so etwas zu vermeiden, erstellt die RhB bereits im folgenden Sommer eine Sicherungsanlage auf der Alp Drusatscha.- Höhwald. Nun befindest sich auf der Alp Drusatscha ca. 600m neben den Gleisen ein erster Beobachtungsposten und bei Km 44.783 rechts der Bahn ein Wärterposten. Die beiden Beobachtungsposten sind unter sich mit einen Diensttelefon verbunden. Die Besetzung diesr zwei Beobachtungsposten wird jeweils durch den Bahnmeister in Davos-Platz in Rücksprache mit dem Abschnittsingeneur in Filisur angeordnet. Die Drusatschalawine erreich noch mehrere Winter die Bahngleise, jedoch nie mehr in diesem Ausmas wie 1917. So gerät diese Massnahme zusehends in Vergessenheit. 1947 verschwinden diese Beobachtungsposten und 20 Jahre später wurden die Wendesignale abgebrochen.

Die beiden Sicherungsposten mit den beiden Wendesignalen die im Gefahrenfalle die Strecke sperren sollen.

 

 

Seehorngalerie:

In unmittelbarer Nachbarschaft zur Drusatschalawine lauert eine weitere Gefahr: Die Seehornlawine. Dieser Lawinenzug erreicht desöfteren die Gleise. Trifft aber glücklicherweise nie einen fahrenden Zug. Bei Lawinengefahr kommt es immer wieder zu Streckensperrungen. Erst seit dem Winter 2008 sichert eine Galerie die Bahnlinie vokr den Lawinenniedergängen der Drusatscha vom Hörnli (2448 m)

Seehorngallerie

Heute bemerkt man die drohende Gefahr wenn der Seeweg um den Davoser See nach dem „Badi“ gesperrt wird. Dies war das letzte mal 2012 und 2018 der Fall.

 

Auch die Prättigauerlinie bleibt vor Lawinenabgängen nicht verschont: Am Sonntagnachmittag, 29. 04.1917 ereignet sich das bisher grösste Unglück der noch jungen RhB. Ein Dampfzug aus Chur kommend hätte um 17.00 Uhr in Davos eintreffen sollen, wird kurz vordem Ziel durch die gefürchtete Drusatscha-Lawine erfast. Innerhalb von Sekundenbruchteilen zerstören die gewaltigen, bis zu 10 Meter hohen -Schneemassen die Bahnlinie auf einer Länge cvon 200 m. Der Lokführer und sein Heizer hören das dumpfe Grollen der herabstürzenden Schneemassen und beschleunigen den Zug, um den drohenden Unheil zu entgegehen. Leider erfolglos. Der Schneedruck der Lawinenspitze zerreisst beim hinteren Zugteil die Bremsleitung und die Kupplung, worauf der Zug (Dampflok und vier Wagen) durch die automatische Schnellbremsung zum Stillstand kommt. Die Lawine ist dem Zug in die Flanke gefallen und hat ihn in zwei Teile getrennt. Die hinteren zwei Wagen wurden im Schneeumgelegt um zugedeckt. Feuerwehr und internierte Deutsche Soldaten der nahen Höhenklinik vermögen zwar den Zug innerhalb fünf Stunden freizuschaufeln, doch für 10 Personen kommt jede Hilfe zu spät. Am nächsten Tag schaufeln weitere Hilfskräfte, darunter auch Angehörige der Armee aus den Engadin, den verschütteten Zug frei. Die Räumungsarbeiten kimmen relativ schnell voran, dass die Aufnahme der Verkehrs am 01.05.1917 wieder möglich war.

Quelle: RhB Archiev

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 Lawinenwinter 1919

Über die Lawinenstürze in Davos, welche zu einer Katastrophe führten, der sechs Menschenleben zum Opfer fielen, entnehmen wir der „Davoser Zeitung“ nachstehende Einzelheiten:
An den weiten, kahlen Hängen, die sich vom Dorfberg und dem Schiahorn gegen Davos-Dorf herunterziehen, sind am 23. nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr die dort angesammelten Schneemassen in Bewegung geraten und mit der ungeheuren Schnelligkeit und Gewalt der Staublawine zu Tale gestürzt, die Luft mit Riesendruck vor sich herschiebend: Am Bergabhang oberhalb des Südendes des Davoser Sees ging die eine dieser Lawinen nieder und teilte sich auf der Bergterrasse, auf der vorn das „Chateau Brüxelles“ steht, in zwei Hälften, von denen dann die eine hinunter in den See fuhr und die Eisdecke einschlug, die andere Richtung gegen die Brauerei Davos nahm. Im Garten des Chateau Brüxelles wurden die beiden Knechte vort der Lawine erfasst und konnten nur als Leichen geborgen werden. Weiter talabwärts stürzte eine Lawine von Schiawang hinunter nach dem Sanatorium Davos-Dorf, der Pension Germania und dem Bergsanatorium in Davos-Dorf und bis auf die Landstrasse.
Oben im Sanatorium Davos-Dorf und in der Pension Germania hatte der Luftdruck zuerst sämtliche Fenster und Türen bergseits eingedrückt. Durch die dadurch entstandenen Öffnungen drangen die Schneemassen, ohne die Aussenmauern zu verletzen, ins Innere der Häuser, Türen und schwächere Zwischenwände wurden gesprengt und die auf der Bergseite gelegenen Zimmer und Gesellschaftsräume der untern Stockwerke sowie Küchen und Keller füllten sich bis hoch hinauf mit Schnee, der in Treppenhäusern und Liftschächten willkommene Kanäle fand, und an manchen Stellen bis in die auf der Talseite liegenden Räumlichkeiten vordrang. In beiden Häusern wurde eine Anzahl Personen aus dem Schnee gerettet. Zwei Personen waren bereits tot, mehrere schwer verletzt.

Ausserhalb des Schiabaches auf Gebiet von Davos-Platz sind im Zeitabstand von einer Stunde noch zwei weitere Lawinen niedergegangen. Beide kamen aus dem Schiatobel. Die erste verliess das Bachbett oberhalb der unteren Waldgrenze und riss einen stattlichen Jungwald mit sich. Durch diesen gebahnten Weg stürzte sich eine Stunde später die zweite Lawine herunter auf das jüdische Sanatorium, die Villa Surlava usw. Auch diese Lawine kam herunter bis auf die Landstrasse. Sie verschüttete nach dem Niedergang der ersten Lawine herbeigeeilte Leute, von denen zwei ums Leben kamen. Die Hauptunglücksstellen in Davos-Dorf und Davos-Platz liegen auf beiden Seiten des Schiabaches, welche Gegend Horlaubenen = Hornlawinen heisst (Lawinen vom Schiahorn). Die alten Davoser bezeichneten dieses Gebiet von jeher als lawinengefährlich. Die letzte grosse Lawine soll dort im Jahre 1817 niedergegangen sein.

Im unteren Teile der Landschaft Davos sind der Rotschzug und die Tavernalawine in ungewöhnlichem Ausmasse auf die Rhätische Bahn gestürzt und sperrten die Linie.


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Lawinenwinter 1951

Meteorologischer Verlauf

Schon im November fiel im Alpenraum überdurchschnittlich viel Schnee, der bis Ende des Jahres liegen blieb. Anfang Januar kam viel Neuschnee dazu. Mitte des Monats waren südöstlich der Linie Zermatt-Simplon-Furka-Erstfeld-Glarus-Sargans schon mehr als 200 Prozent der üblichen Neuschneemenge gefallen. In Mittelbünden, im Engadin, den Bündner Südtälern und im Tessin sogar 300 bis 400 Prozent.

Der Winter 1950/1951 begann früh. Schon der 23. November verzeichnete folgende Schneehöhen: Davos-Laret 105 cm Davos Wolfgang 95 cm Davos Dorf 80 cm.

Januar 1951

In der Nacht vom 15. zum 16. Januar 1951 setzte eine aktive Nordwest-Strömung ein. Diese brachte der Alpennordseite für fünf Tage fast ununterbrochene Schneefälle. Zeitweise fielen bis zu 15 Zentimeter Neuschnee pro Stunde. Insgesamt betrug die Neuschneemenge zwischen dem 16. und 22. Januar zwischen einem und mehr als zweieinhalb Meter Neuschnee. Vor allem in den Glarner Alpen fielen über zwei Meter, und im oberen Prättigau sogar über zweieinhalb Meter. In der Folge gab es sehr viele Lawinen. Nach dem 22. Januar verfestigte sich der Schnee recht schnell und die Gefahr war fürs Erste gebannt.

Als dann die Schneehöhe vom 19/20. Januar in Klosters von 120 cm auf 160 cm stieg, in Davos Laret von 165 cm auf 240 cm und Davos-Platz von 130 cm auf 170 cm lösten sich viele Staublawinen, die der leichte und trockene Schnee zur Folge hatte. Die Strecke Klosters – Davos war schon am frühen Morgen durch eine Lawine im Riedloch unterhalb Davos-Laret und durch die Drusatscha-Lawine, die sich schon wieder und zwar von selbst gelöst hatte, unterbrochen.

Die Bahnstrecke Davos – Filisur hatte die Rotschtobel-Lawine das untere Portal des Tunnels verschüttet. Um 8.45 Uhr stürzten verschiedene Lawinen vom Steigrück her auf die Station Davos – Monstein. Die Gleise auf 390m wurden bis zu 9m hoch verschüttet. Das Bahnhofsgebäude wurde zerstört, wobei der Bahnhofsvorsteher Georg Bärtsch und Stellvertreter Michel Martin, der unter grösster Gefahr die Streckenkontrolle ausgeführt hatte, in treuer PÖflichterfüllung den Tod fanden. Die Angehörigen Bärtsch wurden zum Teil schwer verletzt.

Davos Station Monstein 20. Januar o.Z. 6 Verschüttete 2 Tote Stationsgebäude, Bahnlinie, Strasse  
Davos Kaisern, Dischma 21. Januar 17.00 6Verschüttete 3 Tote 2 Häuser, 1 Nebengebäude, 1,5 ha Wald, 45 m³ Holz, Strasse  
             
Klosters Tallawine 20. Januar 20.00 6 Verschüttete 2 Tote 1 Haus, 16 Ställe, 3,1 ha Wald, 1040 m³ Holz, Strasse  
             
             
St. Antönien Weiler Meierhof 20. Januar 22 ca. 10 Verschüttete 1 Toter 42 Gebäude, davon 9 Wohnhäuser, 50 Stück Grossvieh Grösster Gebäude-Schaden durch eine Lawine in der Schweiz

Auszug aus Die Bündner Kulturbahn 2017:

Krokodillok passiert den Lawinenkegel in Station Monstein 1951

Auch das heutige Restaurant, bzw. Bergbaumuseum „Schmelzboden“ wurde von der Lawine erfasst. Von Berichten Einheimischer wird erzählt, dass die dort verschütteten sich in der Küche aufgehalten haben und nur dank der Restwärme des Küchenofens überleben konnten. Wenn man heute das Gebäude mit der alten Ansicht vom Foto oben vergleicht, ansieht, sieht man anhand der Dachform bzw. an den Dachgauben , dass das gesamte Gebäude nicht mehr im Originalzustand befindet.

 

 

Die neue Bündner Zeitung vom 23.01.151 titelte «Tiefe Trauer und Niedergeschlagenheit erfüllen das ganze Bündnervolk». Die Lawinentage im Januar forderten im ganzen Kanton Graubünden über 50 Todesopfer, 7 davon in der Landschaft Davos. Vom Freitag, dem 19. Januar bis Sonntag, dem 21.Januar waren 190 cm Neuschnee gefallen und die totale Schneeschicht erreichte 216 bis 283 Zentimeter. «Am Morgen des Samstags, kurz nach 8 Uhr, als Frau und Töchter des Vorstandes der Station Monstein inder Stube, der Vater Georg Bärtsch und der Streckenwärtr Martin Michel im Büro des Stationsgebäudes waren, ertönte eingewaltiges Donnern». Christian Meisser, langjähriger Monsteiner Gemeindepräsident, war damals als einer der ersten Helfer im Schmelzboden. Er erzählt: «Vom Bahnhof schaute nur noch ein Giebelstück aus dem Schnee. Aus dem Trümmern hörte man ein Stöhnen, Rufen und Klopfen.» Vater Bärtsch war tot. Streckenwärter Michel starb bald nach der Bergung. Das eine der Mädchen hatte die Knie an die Brust gepresst und Beckenbrüche davongetragen. Die Schwester lag mit der Hand am heissen Ofen und erlitt zusätzlich zu einen Bruch noch schwere Brandwunden. Riesengross türmten sich die Schneemassen, der Weg nach Davos war abgeschnitten. Christian Meisser: «Unter den Helfern aus Monstein befand sich auch die Frau von Pfarrer Burckhard, die glücklicherweise Ärztin war. Sie kümmerte sich um die Verletzten. Die Helfer zogen alle Verwundeten mit Schlitten zum beschädigten Restaurant Schmelzboden.

 

Lawinenabgang 1951 Dischmatal (Nr. 15)

Die beiden Lawinen vom Strelapass und vom Kircherberg ( Nr. 29 und 30) konnten die bewohnten Gebiete nicht erreichen. Und richteten Schäden am Wald an. Die Lawine vom Grüniberg  (Nr. 31) floss durch den Bildjitobel gegen die südlichsten Häuser von Davos-Platz. Nach dem Wald wurde der Schneestrom breiter und teilte sich in zwei Arme. Einer davon kam bis zu den Gebäuden «In der Färbi» wo nur leichte Schäden entstanden. Der andere Arm ergoss sich rechts in Richtung Waschanstalt. Es wurde ein Stall oberhalb der Strasse «Aud dem Bildji» zerstört und ein weiterer leicht beschädigt. Die Kantonststrasse wurde beidersits des Baches verschüttet.

Am 20.01 um 19.30 Uhr ging südlich davon eine weitere Lawine (Nr. 32-34) nieder und über die Kantonsstrasse auf die Häusergruppe «in den Brüchen» zu. Sie traf das Haus der Familie Schamer bergseits am Haus angebaute Schopf wurde zertrümmert. Das Haus selber blieb dagegen fast unbeschädigt. Dies dank eines Lawinenspaltkeils, der zurch den Schopf verbaut worden war und in Vergessenheit geriet. Das Haus wäre ohne den Spaltkeil wahrscheinlich zerstört worden.  Die Nachbarhäuser (Ambühl) wurden kaum beschädigt.


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Lawinenwinter 1954

“In der zweiten und dritten Woche fällt viel Schnee, in Davos und Arosa bis zum dreifachen Wert des Monatsmittels.

Am 12. gehen nach den massiven Schneefällen des Vortages Lawinen in St. Antonien, Busserein bei Schiers, Klosters, Saas, Valzeina und Langwies nieder.

Die Prätigauer Lawinen fordern mehrere Menschenleben.“

 

Ein Blick zurück in die Chronik und über die Grenzen

Im Winter 1954 nahmen die Lawinenschäden in Vorarlberg und hier vor allem im Grossen Walsertal verheerendes Ausmass an. Eine ähnliche Katastrophe ereignete sich in Oesterreich einzig 1689, während in den Schweizer Alpen nur das grosse Lawinenjahr 1720 ähnliche Ausmasse an Opfern aufwies. 1720 fanden in Obergesteln, VS durch die berüchtigte Galenlawine 84 Personen und in Rueras im Tavetsch, GR sogar 100 Personen auf engstem Raum den Tod.

Es ist unvorstellbar, was es bedeutet, wenn in einem entlegenen Bergtal wie im Grossen Walsertal, 164 Personen mit ihren Häusern und ihrem Vieh von Lawinen verschüttet werden. Oder, was es heisst, wenn allein in der kleinen Gemeinde Blons (365 Einwohner) 118 Personen verschüttet werden, davon 16 Personen zwei Mal, und wenn davon nicht weniger als 55 Personen tot, 22 Personen verletzt geborgen wurden und 2 Personen nie mehr gefunden wurden. Blons wurde bereits früher von verheerenden Lawinen heimgesucht, in den Jahren: 1497, 1689, 1717, 1806, 1808 und 1853.

Auch in Blons kam es zu einer vollständiger verkehrsmässigen Abschliessung und zum Ausfall der Telefonverbindungen.

Bericht ORF externer Link

 

Der Atem des Himmels (Film)

Der Atem des Himmels ist ein österreichischer Film aus dem Jahr 2010. Es ist der erste abendfüllende Spielfilm, der vom österreichischen Musiker und Schriftsteller Reinhold Bilgeri realisiert wurde. Bilgeri ist dabei als Autor, Produzent und Regisseur nach seinem eigenen, 2005 erschienenen Roman, tätig. Seine Frau Beatrice Bilgeri übernahm die Hauptrolle. In einer Nebenrolle ist auch seine Tochter Laura zu sehen.

Der Film beginnt im Juni 1953 in Vorarlberg. Die 41-jährige, aus dem Pustertal stammende, verarmte und verwitwete Adlige Erna von Gaderthurn sucht nach dem Tod ihres Vaters ein neues Leben in den Vorarlberger Bergen. Sie zieht als Lehrerin in die kleine Berggemeinde Blons im Großen Walsertal. Dort lernt sie den Volksschullehrer Eugenio Casagrande, zugleich einer der Pioniere der Lawinenforschung in Vorarlberg und die Liebe ihres Lebens, kennen. Eugenio Casagrande möchte, dass Baron von Kessel einen besseren Lawinenschutz des Dorfes Blons umsetzt. Von Kessel meint, dass die Aufforstung des Bannwaldes ausreicht. Anfang Januar wird nach ersten Schneefällen durch abgehende Lawinen das Dorf von der Außenwelt abgeschnitten. Jedes Geräusch kann weitere Lawinen auslösen. Erna von Gaderthurn muss die größte Lawinenkatastrophe in der Geschichte der Alpen miterleben: Die Zerstörung von Blons am 11. Januar 1954 durch zwei Lawinenabgänge vom Falvkopf. Zwei Drittel des Dorfes werden dabei zerstört. Es gibt viele Tote, die Verletzten werden im Haus des Lehrers behelfsweise untergebracht. Ein zweiter Lawinenabgang verschüttet auch Erna und Eugenio. Erna, die ein Kind von Eugenio erwartet, kann sich unverletzt befreien, Eugenio wird unter den Trümmern seines Hauses begraben, kann erst später ausgegraben werden und stirbt schließlich an inneren Blutungen. Erna Casagrande lebt mit der verwaisten Pia und deren neugeborenen Stiefbruder Eugenio weiter in Blons.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen, im Piper Verlag München erschienenen Roman von Reinhold Bilgeri aus dem Jahr 2005, der auch als Hörbuch erschienen ist. Darin verbindet der Autor die Lebensgeschichte seiner Mutter Ilse Bilgeri, der Urenkelin des österreichischen Politikers Friedrich Graf von Gaderthurn (1835–1921), mit der historischen Lawinentragödie von Blons 1954. Dabei wurde höchster Wert auf die detailgetreue Darstellung des Lawinenereignisses gelegt.

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Lawinenwinter 1968

Fünfzig Jahre sind vergangen seit den verheerenden Lawinenniedergängen am 26. und 27. Januar 1968 in Davos. Insgesamt verursachten 41 Lawinenabgänge Schäden, wobei bei 6 Lawinenniedergängen Menschen verschüttet wurden. Im Siedlungsgebiet von Davos starben 13 Menschen in Lawinen. 51 Wohnhäuser und 14 Ställe sowie 11 ha Wald wurden zerstört oder beschädigt. Die mit Abstand grösste Schadenlawine war die Dorfbachlawine. Weitere verheerende Lawinen waren die Niedergänge „In den Arelen“ in Davos Wolfgang, die Bildjibachlawine oder auch die Lawine vom Brämabüel in die Dunkle Säge. Umgerissene Strommasten verursachten Stromunterbrechungen, die Parsennbahn erlitt Schäden, die Rhätische Bahn wurde an neun Stellen, die Kantonsstrasse durch 11 Lawinen unterbrochen. Davos war während drei Tagen praktisch von der Aussenwelt abgeschnitten. Wenige Helikopterflüge erledigten den dringendsten Personen- und Warenverkehr. Die Katastrophe war aus damaliger Sicht in ihrer Art und Auswirkung für Schweizer Verhältnisse einmalig. Auch aus heutiger Sicht ist die örtliche und zeitliche Konzentration von teilweise unbekannten oder sehr selten auftretenden Lawinen mit grosser Schadenwirkung sehr bemerkenswert, am ehesten vergleichbar mit den verheerenden Lawinenniedergängen im Februar 1999 im Paznauntal (Tirol).

Seitdem haben Bund, Kanton und Gemeinde umfassende Investitionen getätigt, um Davos besser vor Lawinen zu schützen. Davon zeugen die 390 m lange Lawinengalerie am See und der Lawinendamm im Parsenngebiet unterhalb des Schiahorns, die umfassende Gefahrenzonierung, Installationen zur künstlichen Lawinenauslösung, die Massnahmenplanung des Gemeindelawinendienstes und vieles mehr.

  • Am 26. und 27. Januar 1968 donnerten in Davos 41 Lawinen ins Tal.
  • Dreizehn Menschen starben.
  • Die Schneemassen zerstörten oder beschädigten 51 Wohnhäuser, 14 Ställe und mehrere Hektaren Wald.
  • Besonders verheerend war die Dorfbachlawine.
  • Heute schützen Davos 21 Kilometer Lawinenverbauungen und vier Autogalerien.

Zerstörtes Haus der Dorfbachlawine von 1968

Die Lawinengalerie der Kantonsstrasse nach Wiesen zwischen Glaris und Schmelzboden wurde an den Portalen verschüttet

 

Das Ausmass der Dorfbachlawine: Die Parsennbahn wurde im Bereich Dorfbachviadukt zerstört, ebenso die Häuser.

Lawinenabgang bei Duchli Säge Dischmatal 1968 Januar. Anrissgebiet Brämabühel Heute befindet sich eine grosse Betonwand neben der Strasse um den Verkehrsweg zu schützen.

Bericht Zivilschutz:

Davos, 1550 m ü. M., 9558 Einwohner und rund 12 000 Gäste, Landwassertal, Wintersport. Vom Freitag auf Samstag erlebten die Bewohner und Gäste der Landschaft Davos ihre Nacht der Lawinen, die zwischen 23.00 und 02.00 Uhr geradezu apokalyptisches Ausmass annahm. Die Meldungen über Lawi¬ nenniedergänge im Landwassertal jagten und häuf¬ten sich. Es schneite unaufhörlich, der Sturmwind erreichte Spitzengeschwindigkeiten bis 130 km/h. Der Zugang von der Aussenwelt war bereits nicht mehr möglich und selbst innerhalb der Landschaft wagte man es kaum mehr, in die Aussenfraktionen zu gehen. Fraktionen wie Wolfgang und Laret waren abgeschnitten und auf sich selbst angewiesen. Zu allem Ueberfluss verhiess die Wetterprognose nichts Gutes. Ueber die Landschaft war eine wahre Katastrophe hereingebrochen, die sich immer mehr auszuweiten schien. Glücklicherweise besserte sich das Wetter am Sonn¬ tag schlagartig, worauf die Suche nach den Opfern voll einsetzen konnte. Wir greifen hier vor und stellen unserer nachfolgen¬ den Betrachtung die Fernsehsendung «Tatsachen und Meinungen» vom 28. Januar voran. Direktor W. König vom Bundesamt für Zivilschutz stellte als Ge sprächsteilnehmer in Aussicht, die Katastrophenhilfe im Sinne der Motion Furgler stehe in Prüfung und bewege sich auf dem Wege zur Verwirklichung. Einzelheiten waren aber nicht zu vernehmen. Stand des Zivilschutzes in Davos Die Zivilschutzstelle Davos beschäftigt sich im Moment mit der Erfassung und Einteilung der Schutz¬ dienstpflichtigen. Zivilschutzpläne bestehen noch keine. Je zwei Materialsortimente für Kriegsfeuer¬ wehrzüge und Pioniergruppen sind im Zentrum der Gemeinde magaziniert. Sirenen sind vorhanden. In Davos-Dorf ist eine Sanitätshilfstelle im Bau. Der Gemeinde steht dem Zivilschutz sehr positiv gegenüber, der wahre Stand der Dinge widerlegt aber die hartnäckige Fama, wonach der Zivilschutz in Graubünden bereits aufgebaut sei und für die Schweiz einen Modellfall darstelle. Welche Fragen und Lehren ergeben sich insbesondere für den Zivilschutz nach dieser Davoser Katastrophe und dem Televisionsgespräch?

Davos eignet sich nicht unbedingt für die Darstellung eines Normalfalles, da diese Gemeinde über eingespielte Rettungsorgane verfügt. In der Katastrophenwoche sah man die Gefahr kommen, da es seit dem 24. Januar schneite. Zielbewusst traf die Landschaftsbehörde ihre Vorbereitungen, und es stehen ihr an personellen und materiellen Mitteln zur Verfügung: Die Feuerwehr, vielseitig ausgebildet und ausgerüstet, kann sowohl auch bei Lawinenniedergängen wie bei Ueberschwemmungen eingesetzt werden; — die Polizeikräfte der Gemeinde und des Kantons; — der Lawinendienst (hat legendären Ruf); —¦ die SAC-Rettungsgruppe; — Skilehrer und Bergführer; — der Samariterverein; — Aerzte in genügender Zahl; — grosse Baufirmen, stellen Schneeräumungsmaschinen, Trax, Pneuladeschaufeln und vor allem genügend Schaufeln für die Rettungsmannschaften; — der Polizeifunk, mit der Zentrale im Rathaus Davos-Platz.

Diese Rettungsorganisationen standen in höchster Alarmbereitschaft und der Erfolg hing davon ab, ob es der Führung gelang, die Aktionen zu organisieren und zu koordinieren:

Landammann (Gemeindepräsident) Dr. Christian Jost (43), populär und dynamisch, dirigierte per Funk die Aktionen von den Schadenplätzen aus.

Polizeivorsteher Georg Schmidt, Ortschef, leitete die Polizeiaktionen: Anordnung und Durchführung der Evakuationen, Absperrungen (besonders wichtig für den Einsatz der Lawinenhunde), Schutz der Ge¬ schädigten gegen Diebstähle und dergleichen mehr.

Martin Dürr, Gemeindeingenieur, Dienstchef des technischen Dienstes und Kantonsinstruktor Pionierdienst, hatte ein umfangreiches Pensum zu erfüllen: Um die Versorgung der rund 20 000 Personen in Davos-Platz und -Dorf sicherzustellen, müssten sämt¬ liche wichtigen Strassen offen gehalten werden, was weitgehend gelang (Versorgung des Gastgewerbes,

Milchzustellung, Post, Kehrichtabfuhr, Evakuierung, Nachschub von Rettungsmaterial und Verpflegung). Die Wasserleitungen der geschädigten Häuser müssten abgestellt werden, damit nicht in tiefer gelegenen Räumen die dort möglicherweise eingeschlossenen Personen gefährdet würden, ferner um Wasserschäden zu vermeiden. Für die Unterbrechung der Stromleitungen sorgte das EWD, da die Rettungsmannschaft in dieser Hinsicht besonders gefährdet war. Otto Freytag, Amtsvormund, Dienstchef der Obdachlosenhilfe, sorgte für die Unterbringung der Evakuierten aus dem bedrohten Gebiet auf und unter «den Böden». Der Kleine Rat von Graubünden hielt am Samstag¬ morgen, nachdem bereits 9 Tote gemeldet wurden, eine Sondersitzung ab. Der Vorsteher des Bau- und Forstdepartementes, Regierungsrat Dr. H. Ludwig, der ebenfalls wegen Lawinenniedergängen in seinem Wohnort Schiers blockiert war, liess sich per Helikopter nach Davos fliegen. Die angeforderte militärische Hilfe erfolgte durch Verfügung von Bundes¬ rat Celio. Eine Unteroffiziersschule in Chur wurde am Montag nach Davos verlegt. Noch waren 4 Personen vermisst. Zur Ablösung der erschöpften Suchkräfte kamen schliesslich auch Schüler der Mittel¬ schule Davos zum Einsatz. Die Rhätische Bahn blieb bis Donnerstag, den 1. Februar, unterbrochen.

Lawinen mit Menschenopfer Dorfbachlawine vom Grünturm 4 Tote Staublawine im Bildjibachtobel 3 Tote Lawine bei der Wolfgangspasshöhe/Totalp 4 Tote Lawine aus dem Frauentobel in Davos-Frauenkirch 1 Toter Lawine vom Brämabüel gegen die «Dunkle Sage» im Dischmataleingang 1 Toter

Es ereigneten sich noch eine Reihe von weiteren Lawinenniedergängen, die Sachschaden verursach¬ ten. Am Beispiel der Dorfbaohlawine lässt sich die Bedeutung von Schutzräumen bei Lawinenniedergängen ermessen: Als eine der ersten «hüpfte» vom Grünturm eine Staublawine ins Tal (siehe Photos im Anhang). Sie durchschlug eine Brücke der Parsennbahn, fegte die Obergeschosse von 8 modernen Ferienvillen weg, räumte den Speisesaal eines Hotels aus und kam endlich in der Talsohle zum Stillstand. Man erhielt hier eine Ahnung, wie sich die Druckwelle eines Atomschlages auswirken könnte. Sämtliche Häuser waren mit Schutzräumen ausgestattet, die intakt blieben. 4 Personen, die den Evakuationsbefehl nicht befolgten, müssten hier ihr Leben lassen. Man darf annehmen, dass sie sich im Obergeschoss aufhielten, obwohl die Gemeindebehörde auf Anfrage hin den Rat erteilte, die Schutzräume aufzusuchen. In einigen Fällen hat man diesen Ratschlag befolgt. Personen, die sich in Schutzräumen aufhalten und dort eingeschlossen würden, könnten leicht gefunden wer¬ den oder sich selbst befreien, zumal die Panzerdeckel der Notausstiege nach innen aufgehen. In der Gegend der «Färbi» wurden, nachdem sie während 5 Stunden scheinbar hermetisch in einem Stall eingeschlossen waren, 4 Pferde heil und munter geborgen. Lehren, Feststellungen und Massnahmen: Der Zivilschutz bewies seine Präsenz durch den Einsatz der Funktionäre Schmidt, Dürr und Freytag.

  1. Auf den Schadenplatz im abgeschnittenen Wolf¬ gang wurden Angehörige der BSO des Sanatoriums Valbella beordert.
  2. Bei Katastrophen solchen Ausmasses eignet sich als Verbindungsmittel nur der Funkverkehr. Das Telefon fällt wegen Ueberlastung aus, Läufer kommen nur langsam durch und sind zu stark gefährdet.
  3. Die Zivilschutzorganisation Davos muss rasch mit Material ausgerüstet werden, das möglichst dezentralisiert eingelagert sein sollte. Die Sanitätshilfsstelle ist bald mit Einheitsmaterial auszurüsten und würde dann in Davos-Dorf als «Ausweichspital» dienen.
  4. Sollte sich die Mannschaftsausbildung verzögern, was zu befürchten ist, sind Spezialisten auszubilden. Wir denken an Schutzdienstpflichtige, die zum Bei¬ spiel für die Handhabung der Kompressoren, Benzin¬ Kettensägen, Tauchpumpen, Seilzugapparate usw. speziell geschult würden.
  5. Den besten Schutz gegen Lawinen bieten die Schutzräume, die wenn möglich gegen den Berghang plaziert sein sollten. Das Belüftungsproblem stellt sich, sofern die Zufuhr von Frischluft gänzlich ab¬ geschnitten ist, erst etwa nach einer Aufenthaltsdauer von 3 Stunden. Die Bergungskräfte haben diese Schutzmöglichkeit bei der Suche zu berück¬ sichtigen. Ist der Schutzraum mit dem nötigen Mate¬ rial ausgerüstet, so wäre auch eine Selbstbefreiung möglich.
  6. Die Gemeinde erwägt — und es kann ihr dies nur empfohlen werden — die Abgabe eines Merkblattes über das Verhalten bei Lawinengefahr an alle Haushaltungen (inkl. Ferienhäuser). Beachtung verdient in diesem Zusammenhang eine (UPI)-Meldung aus dem Kanton Bern:

«Der Berner Grossrat Hans Hubacher (BGB) hat ein bedenkenswertes Postulat eingereicht: Für Berggebiete sollten Karten geschaffen werden, auf denen die Lawinenzonen eingetragen sind. Sie wären wert¬ voll für Einheimische, Touristen und Erbauer von Ferienhäusern. Die Lawinenkarten könnten als Grundlage für einen Lawinenkataster dienen. Dieser hätte die Förderung von Lawinenverbauungen zum Ziele. Nur dürfte mit der Karte keine Verantwortung des Staates verbunden werden; sie hätte ausschliesslich hinweisenden und vorsorglichen Charakter. Uebrigens: Vollständigkeit wäre wohl nie erreich¬ bar …»

  1. Zur Idee, die Sirenen für die Auslösung des Lawinenalarmes zu verwenden, was gemäss Art. 14 ZSV grundsätzlich zulässig wäre, muss der Einwand er¬ hoben werden, dass durch den Schall lokale Lawinen zur Auslösung kommen könnten. Zudem würde mit dieser Alarmmethode Unruhe in die ganze Gemeinde getragen und viele Unbeteiligte mobilisiert, die den Rettungseinsatz behindern könnten.
  2. Dem Ordnungsdienst auf dem Schadenplatz muss besondere Beachtung geschenkt werden. Zum Teil liegen wertvolle Gegenstände herum und Neugierige drängen sich vor. Die ohnehin überlastete Polizei kann diese Ordnungsaufgabe allein nicht meistern.

 Wieso richteten die Lawinen 1968 einen so grossen Schaden an, war Davos nicht geschützt?

 Es war eine aussergewöhnliche Situation damals, mit grossen Neuschneemengen und starkem Wind. Davos hatte damals bereits rund fünf Kilometer Lawinenverbauungen am Schiahorn und dem Dorfberg – was damals wohl eine weitere Katastrophenlawine verhinderte. Aber es gab verschiedene Hänge, die im Gegensatz zu heute nicht gesichert waren.

Wie sahen Lawinenverbauungen damals aus?

Davos hat eine lange Tradition punkto Lawinenverbauungen. Die ersten Verbauungen entstanden 1919 nach drei schweren Lawinen. Das waren Steinmauern, die im Anrissgebiet der Lawinen gebaut wurden. Das Problem dieser Mauern war jedoch, dass sie relativ schnell vom Schnee überdeckt wurden und dadurch ihre Wirkung verloren. Später wurden auch moderne Stahlschneebrücken aufgestellt, die deutlich effektiver waren und wahrscheinlich 1968 eine noch grössere Katastrophe verhindert haben.

1961 erstellte Davos eine der ersten Gefahrenkarten schweizweit für das Gebiet unterhalb des Dorfbergs. Was war der Auslöser?

Damals war geplant, das Gebiet «Böden» mit Ferienhäusern zu überbauen. Die Gemeinde Davos hatte Angst im Ausläufer von Lawinen bauen zu lassen und liess deshalb vom SLF eine Gefahrenkarte erstellen. Damals wie heute zeigt die Gefahrenkarte, wo ein Haus bei einer Lawine zerstört wird (rote Zone) und wo ein Gebäude mit zusätzlichen Schutzmassnahmen möglich ist (blaue Zone).

Heute berücksichtigt man in solchen Karten auch Lawinen, die nur alle 300 Jahre abstürzen. Die früheren Lawinenkatastrophen haben gezeigt, dass es notwendig ist, Gefahrenkarten auf Extremereignisse abzustützen.

Zwei Gefahrenkarten mit roten und blauen Zonen im historischen Vergleich.
Legende: Gefahrenkarten früher und heute in Davos. Exkursionsführer SLF (2014)
Die in der Karte von 1999 in der Roten Zone befindlichen Wohngebäude im Bereich „Eggen“ geniessen Bestandsschutz, jedoch sollten sie einmal von einer Lawine zerstört werden dürfen sie nicht wieder aufgebaut werden. Ob die jetzigen Eigentümer das wissen und ob die Feriengäste im Notfall dort wissen was zu tun ist……… Die Frage ist auch ob die Grundbucheinträge zu Gefahrenzonen nachträglich geändert wurden……..

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Lässt sich der Schutz vor Lawinen heute noch verbessern?

Eine der grössten Herausforderungen für die Zukunft ist es, die Bausubstanz der Schutzmassnahmen langfristig zu erhalten. In Davos gibt es rund 21 Kilometer permanente Lawinenverbauungen und vier Galerien für die Strassen – darunter auch die Galerie für die Strasse – mit einem Wert von rund 80 Millionen Franken. Die beiden Galerien zwischen Glaris und Schmelzboden wurden 2010 saniert. Die grosse Galerie am Davoser See, erbaut 1980, wird im Sommer 2018 generalsaniert. Die dafür notwendige Umfahrungsstrasse wurde schon im Sommer 2017 gebaut.

Drohnenvideo Lawinenverbauung Schiahorn

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Auch unsere Feriengäste sollten sich im Gefahrenfalle informieren. Alle Gebäude in der Blauen und Roten Zone sind bei der Lawinenkomission registriert und für alle gibt es Verhaltenrichtlinien und Evakuierungspläne. Diese Pläne müssen an geeigneter Stelle sichtbar angebracht werden. Beispiel: Das Utouring in Dorf befindet sich in der Gefahrenzone. Die Pläne befinden sich unten im Eingang Tiefgararage, an der Rezeption neben Aufzug und bei den Briefkästen/Klingelanlage. Bis vor kurzem musste in der Schweiz jedes Gebäude einen Schutzraum haben. Heute ist dies nur in der Blauen und Rote Zone Vorschrift. Ich möchte unseren Gästen keine Angst machen, jedoch Davos befindet sich im Hochgebirge und es muss jederzeit mit Gefahrenlagen gerechnet werden. Den Bergen ist das Klischee und Image von Davos letztendlich egal…..

Aktueller Aushang im Utorung (Guardeval) neben Aufzug

 

Die Bildjibachlawine vom 27.01.1968

1.00 Uhr: Ankuft bei Lawine. Sehr starker Schneefall. Die Unglücksstelle sieht schrecklich aus und wird durch eine 150 m entfernte Strassenlampe etwas beleuchtet. Ein ca 80m langes und 30 m breites Trümmerfeld – Balken -Bretter – Hausrat – Kleider – Möbel usw. Ich kann mir nicht vorstellen, wie der Hund bei soviel Witterungsherden jemanden finden soll. Man weiss auch gar nicht wo anfangen.

(Auszug Einsatzrapport Lawinenführer am Unfallort Bildjibachlawine 27.01.1968)

 

 

Wenn man genau aufpasst werden sich manche Fragen, warum hat das Tiefbauamt Graubünden in Davos zwei Standorte, und nicht einen?

Zwischen dem Standort bei Frauenkirch/Isslen und dem Spital befindet sie die oben genannte Lawinengefahrenzone. Das heisst im Gefahrenfalle würde der Standort mit den Fahrzeugen nicht mehr zur Verfügung stehen. Dahher befindet sich der zweite Standort am Wolfgangpass, welcher von Davos ohne Gefahr erreicht werden kann und man im Notfall den dortigen Fuhrpark nutzen kann. Auf der anderen Seite können die Fahrzeuge aus dem frauenkirchner Standort problemlos im Sertig und für die Offenhaltung der Strasse Richtung Wiesen genutzt werden. (Erzählung Aliesch aus Wolfgang)

Lawinnsprengung Davos – Monstein

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Bis 1974 bot die RhB zwischen Davos Glaris und Wiesen einen bedarfsmässigen Autoverlad an, weil die 1874 eröffnete Staatsstrasse durch die Zügenschlucht oftmals wegen Lawinengefahr gesperrt war. Die auf den damals noch bedienten Stationen bereitstehenden Flachwagen wurden den Fahrplanzügen mitgegeben. Der 1974 eröffnete 2.7 km lange Landwassertunnel machte den Autoverlad überflüssig.

Der 2700m lange noch im Bau befindliche Tunnel umgeht die Zügenschlucht. Das Portal auf der Wiesener Seite. Die neue Strasse überquert die alte Zügenstrasse.

Meines Wissens nach, bot die RhB bis 1974 einen Autoverlad mit Flachwagen zwischen Wiesen und Davos Glaris an. Hintergrund war wohl der, dass es damals noch nicht den Straßentunnel Wiesen/Unter Eggen – Schmelzboden (Bf Monstein) gab und im Winter wegen Lawinengefahr die alte Straße durch die Zügenschlucht (parallel zur Bahnlinie) oftmals nicht befahrbar war. Der sehr steile Hang des Steigrügg-Grates machte es den Lawinen zu einfach (schroff und teils nur Gestein am Hang).
Mit dem Auto musste man über die alte Straße zum Bahnhof Wiesen hinunter fahren. Ab da ging es dann mit Flachwagen, welche dort bereitstanden und gegebenenfalls einem Regel-Zug mitgegeben wurden, nach Davos Glaris und dort wurde abgeladen und die, ab da einfache Straße konnte befahren werden. Es gab also nie reine Autoverladezüge durch die Zügenschlucht.
Der Autoverlad endete dann Anfang 1974 durch die Eröffnung des neuen Straßentunnels.

Eine Frage schwebt mir da aber auch noch durch den Kopf. Warum war der Autoverlad von Wiesen nicht nur bis nach Monstein Bf?! Meine Idee wäre, das es an der zwischen Monstein und Glaris immer noch vorkommenden Lawinengefahr liegt. Soweit ich weiß sind die dortigen Hänge und Einschnitte Rotschtobel, Tafernazug und Rotschwald (vom Geissveidengrad hinunter) bzw. Stüdig Zug und Breit Zug (von Norden/ unterer Alteingrat und Steigberg hinunter) für Lawinen berüchtigt. Auffallend genau an diesen Stellen verschwindet die heutige Hauptstraße und die Eisenbahn im Tunnel. Für die Hauptstraße sind diese noch nicht allzu alt. Auch die Straße nach Monstein hinauf geht am Rotschtobel in eine Galerie (weiter oben am Berg).

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