Flüelatal

Flüelatal oberhalb von Tschuggen

 

Mit dem Auto braucht man für die Strecke, die von Davos nach Susch führt, eine Stunde. Sie wurde 1867 angelegt. Das Flüela-Hospiz auf 2383 Metern liegt auf halbem Weg zwischen den beiden Ortschaften. Auf der Höhe der Chantsvra-Alp geniesst man eine herrliche Aussicht ins Unterengadin.
Der Flüelapass
Es ist schon wahr: Kein West-Ost-Pass hat jemals dieselbe entscheidende Bedeutung erlangt wie die grossen Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen. Und doch verdankt der Flüelaübergang seine Wichtigkeit dem Umstand, dass er die kürzeste Strecke zwischen dem Rheintal und dem Unterengadin ist.

Flüelapass Blick in das Engadin

Anno dazumal …
Wir haben sichere Beweise dafür, dass   schon in vorrömischer Zeit ein wenn vielleicht auch nur gelegentlicher Querverkehr bestand: Sowohl auf dem Burghügeln bei Susch wie auf der Passhöhe des Flüela wurden dieselben bronzezeitlichen Lanzenspitzen gefunden, die wir vom Lürlibad bei Chur her kennen. Dies kann bestimmt kein Zufall sein. Die eigentliche Geschichte von Davos – jeder Alteingesessene nennt   die Landschaft „uf Tafaas“ oder auch nur „Tafaa“ – Beginnt in 13. Jahrhundert mit der Einwanderung einer Walsersippe. Noch ist der Vertrag erhalten, laut welchem Anno 1289 „Willhelm, dem ammen vnd sinen gesellen daz guot ze Tavaus ze rechten lehen“ Unter erstaunlich günstigen Bedingungen überlassen wurde. Eine andere Urkunde bezeugt, dass diese Siedler aus dem Wallis kamen. Die angestammte Mundart tritt uns ja auch deutlich im Flüelatal entgegen: „Höfji und Dörfji, Engi, Tschuggen und Säss, Mälchasten und Karlimatten heisst es da – und dies hatt sicher nichts mit dem Romanischen zu tun. – Dass Davos früh schon des Postverkehrs wegen wesentlich Bedeutung erlangte, ersieht man auch daraus, dass es von Zusammenschluss des „Zehnergerichtebundes“(1436) an Vorort dieser Vereinigung im nördlichen Rätien war. Ansehnliche Saumpferdkolonnen trugen die reichen Produckte des Alpsommers, über den Berg an den Inn und seinem Lauf folgend, bis nach Hall im Tirol, um dort in den Salinen das unentbehrliche Salz zu hohlen. Alpproduckte und Vieh machten zudem den Weg über den Flüela und den Ofenpass in den Vintschgau bis nach Bozen – es brauchte durchaus nicht erst die moderne Fremdenindustrie, um das Walsertal mit der Aussenwelt zu verbinden.
 
Grosse Pläne am Schwarzhorn
Wer auf der Passhöhe seinen Wagen oder das Postauto verlässt, wird sogleich drüben am Schottensee – er hat seinen Namen vom milchigen Gletscherwasser – eine ansteigende Wegspur entdecken. Es ist indessen nicht der Pfad, den vor Jahren die Sektion Davos der Schweizer Alpenklubs aufs Schwarzhorn angelegt hat; dieser zweigt erst einen Kilometer unterhalb der Passhöhe gegen Süden ab. Das Flüela-Schwarzhorn ist berühmt wegen seiner grossartigen Aussicht: Sie reicht vom Grossglockner bis zum  Montblanc, wenn helles Wetter herrscht. Dies hätte in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts „ausgewertet“ werden sollen. Es bildete sich eine Aktiengesellschaft zum Bau eines mondänen Hotels auf dem Schwarzhorngipfel. Für den Aufstieg war eine Drahtseilbahn geplant; die günstigen   Schneeverhältnisse sollten Schlittenfahrten das ganze Jahr über garantieren. Die „Gelegenheit zur Murmeltier- und Gemsjagt “wurden angepriesen – das Hotel Adlerhorst sollte eine Weltsensation werden. Aber die Pläne zerschlugen sich gottlob. Doch noch lange nachher war zwischen den Blöcken beim Flüela-Hospiz die Inschrift zu lesen. „Hier sind Bauplätze zu verkaufen!“ In der rauen Höhe mutete das freilich wie ein Witz an.

Das Flüelatal vom Schwarzhorn aus gesehen–> Wanderung Nr. 1

 

Blick in das Flüelatal mit Schwarzhorn

Der Pass ist nicht wintersicher, die Strecke verläuft durch lawinengefährdetes Gebiet. Seit der 1999 erfolgten Eröffnung des nahegelegenen Vereinatunnels wird er daher über die Wintermonate gesperrt. Im Sommer verkehren auf der Flüelapassstrasse Postautokurse (Bergpoststrasse) zwischen Davos und dem Engadin. Eine historische Postkutsche fährt in der Sommersaison jeden Dienstag vom Bahnhof Davos Platz 6-spännig bis zum Flüela Hospiz und zurück. Es besteht die Möglichkeit, die Strecke hin und zurück mitzufahren oder nur eine Teilstrecke zu buchen. Aufgrund der Zusammenarbeit mit Postauto Graubünden ist die Fahrkarte am Reisetag auch auf der Postautolinie auf der Flüelastrecke gültig.

Geplantes Gletscherskigebiet auf dem Jörigletscher in Davos

Heute weitestgehend vergessen ist, dass es in der Region Davos-Klosters am Ende der sechziger Jahre Initiativen gab ein Gletscherskigebiet für das Sommerskifahren zu erschließen. Das Ganze geschah am Höhepunkt der Skibegeisterung nach dem zweiten Weltkrieg, der wir heute die meisten Skigebiete der Alpen zu verdanken haben. 1969 bildete sich ein Intiativkomitee das verschiedene Standorte in der Region prüfte. In die nähere Auswahl kam der Grialetschgletscher am Nordhang des Piz Grialetsch/ Piz Vadret und der Jörigletscher am Nordhang des Flüela Wisshorns. Als einzig sinnvoller Standort wurde der Jörigletscher ausgemacht, da der Grialetschgletscher in einem Schiessektor lag. Als Zubringer war ein fixgeklemmter Zweiersessellift vom Wägerhuus auf die Winterlücke geplant. Der Sessellift wäre ungefähr 1,5 km lang gewesen und hätte durch ein spektakuläres Hochtal mit eindrücklichen Geröllfeldern geführt. Auf der Winterlücke in knapp 2800 Meter Höhe war auch ein Bergrestaurant geplant, welches die Besucher versorgt hätte.

Die geplante Lage der beiden Liftanlagen

Ausbreitung des Jörigletschers in den 60igern. Heute ist nur noch ein kümmerlicher Rest übrig geblieben.

Als Beschäftigungsanlage war ein 940 Meter langer Schlepplift auf dem Jörigletscher geplant. Von dort hätte man im Sommer einen schönen Blick auf die türkisblauen Jöriseen gehabt die heute ein beliebtes Wanderziel sind. Da zu diesem Zeitpunkt der lawinengefährdete Flüelapass im Winter gesperrt war wäre das Skigebiet ein reines Sommer- bzw. Herbstskigebiet gewesen.

Schon kurz nach Bekanntwerden der Pläne gab es großen Widerstände gegen das Projekt. Es wurde vor allem kritisiert, dass die unberührte Landschaft um die Jöriseen besonders schützenswert sei. Diese Bedenken versuchte das Initiativkomitee zu zerstreuen mit dem Versprechen die Liftstützen weiß anzustreichen. Auch gab es schon damals Bedenken bezüglich der Schneesicherheit. Letztendlich kam das Skigebiet niemals über die Projektphase hinaus.

So müsste das damals geplant worden sein. Die Drohnenaufnahme stammt vom Sommer 2018.

Rückblickend ist es gut, dass nichts aus dem Projekt geworden ist. Der Klimawandel und der damit einhergehende Gletscherschwund hat dem Jörigletscher ziemlich zugesetzt. Der Gletscher hatte Ende der 60er Jahre noch eine Länge von über einem Kilometer. Davon bleiben heute noch knapp 350 Meter Länge, die Abnahme des Volumens ist noch dramatischer. Ich schätze anhand von alten Karten, dass Sommerskifahren mit viel Mühe bis Anfang der 2000er möglich gewesen wäre. Das Skigebiet wäre allein nicht überlebensfähig gewesen, aufgrund seiner abgelegenen Lage (siehe Pischa). Sommerskifahren gehört auch in den anderen Bündner Gletscherskigebieten Flims-Laax und Diavolezza längst der Vergangenheit an.

Situation der Region im Jahr 1969:
https://s.geo.admin.ch/8b574d996c

Aktuelle Situation:
https://s.geo.admin.ch/8b5757f116

Quelle: https://www.bergbahnen.org/forum/viewtopic.php?t=2389

Passhöhe Südrampe ins Engadin

Flüelatal

Hospiz Flüela  Passhöhe

Wanderungen im Flüelatal:

Siehe auch –> Historischer Bericht über das Skigebiet Pischa

Siehe auch -> Flüelatal Geschichte und Wissenswertes

Drohnenvideos Flüelatal

Flüelatal Tschuggen

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Drohnenflug Pashöhe

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Flüelatal oberhalb von Tschuggen

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